Wiesionen Wieseverlauf im Stadtgebiet Lörrach  
 



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Schlussbericht Wiesionen
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Alles im Fluss
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Empfehlungen und Tipps
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Gewässerumbau

Die Wiese gilt als einer der am stärksten von menschlicher Hand verbauten Flüsse in Baden-Württemberg. In der Strukturgütekarte – sie gibt Auskunft über die ökologische Be-findlichkeit eines Flusses- nimmt sie den vorletzten Platz ein. Die Ursache dafür ist vor al-lem in den zahlreichen Querbauwerken zu suchen. Allein im 2,4 Kilometer langen Projektgebiet von Wiesionen finden sich ein Stauwehr, zwei Abstürze und 23 Sohlschwellen.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert, diese Wanderungshindernisse bis 2015 für Fische passierbar zu machen und die Lebensbedingungen für Gewässerorganismen zu verbessern. An der Wiese schien das angesichts der massiven Verbauung insbesondere im Stadtgebiet von Lörrach ein schier hoffnungsloses Unterfangen. Mit dem Projekt Wiesionen erschlossen sich allerdings Synergieeffekte, die das Umweltministerium Baden-Württemberg und das Regierungspräsidium Freiburg bewogen, die Restrukturierung dieses Mittelgebirgsflusses mit Vorrang anzugehen.

Ein Glücksfall für beide war, dass sich ebenso engagierte wie kreative Wasserbauer neben der Pflichtaufgabe nach WRRL auch die Projektziele von Wiesionen zu Eigen machten. Erstmals experimentierten sie außerhalb von Österreich mit innovativen Flussbau-methoden nach Viktor Schauberger und Otmar Grober. Die so genannten Lenkbuhnen und Pendelrampen
•   gewährleisten den Hochwasserschutz,
•   verbessern selbst bei geringem Gewässerquerschnitt Strömungsvielfalt, Tiefenvarianz und Habitatqualität,
•   optimieren die Durchgängigkeit des Gewässers in Längsrichtung
•   und sind überdies kostengünstig herzustellen.

Das Leichtweiß Institut der Universität Braunschweig begleitete den Gewässerumbau wissenschaftlich. Im Rahmen einer Dissertation wird außerdem die Wirkungsweise der einzelnen Verbauelemente erforscht. Im Feldversuch an der Wiese haben Lenkbuhnen und Strömungstrichter die Strömungsvarianz, die Tiefenvarianz, die Substratvielfalt und die Substratverteilung innerhalb kürzester Zeit deutlich verbessert. Erste Kontrolluntersuchen zeigen, dass die Fische und Wirbellose bereits von den verbesserten Habitaten profitieren. Inzwischen haben die optisch eher unscheinbaren Steinsetzungen auch bei Hochwasser die erste Bewährungsprobe bestanden.

Diese neuen Flussbaumethoden, in der Fachwelt seit kurzem als Instream River Training (PDF-Datei, 2,8MB) eingeführt, kommen außerhalb des Projektgebiets von Wiesionen inzwischen auch bei der Restrukturierung der Wutach im Landkreis Waldshut, der Dreisam bei Freiburg und verschiedenen Flussbauprojekten in der Schweiz zum Einsatz.

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Wiese vor Umbau

 
Wiese nach Umbau


Strömungstrichter

 
Strukturvielfalt


Stömungslenkung

 
Strömungsvielfalt


Pendelrampe

 
Massnahmen


Lenkbuhnen

 
Profil Strömungstrichter


Referenzprofil

 
Wirkung


Laborversuch

 
Vergleich 1


Vergleich 2

 
Strukturvielfalt


Ergebnis

   

Daten und Fakten:  
Baubeginn: 2007
Fertigstellung: 2008
Länge der Umbaustrecke: ca. 0,5 Flusskilometer
Kosten Gewässerumbau: 230.000 €
Planung Gewässerumbau: Regierungspräsidium Freiburg
Begleitforschung Wasserbau: Leichtweiß-Institut Braunschweig
Matthias Mende, IUB Bern CH